Gedanken in der Krise

Iffezheim, 26.04.2020

Denke ich über "die Krise" nach, sehe ich das Bild einer Geburt vor mir...

Ich empfinde Dank und Liebe für die, die mit viel Kraft und Mut diese Geburt mit all ihren Schmerzen, Tränen, Schreien, ihrem Schweiß und ihrer Magie ohne Betäubung und mit vollem Bewusstsein durchleben; für die, die das neue Leben mit all ihrem Willen und all ihrer Leidenschaft ins Leben führen.

Und für diejenigen, die die Bedingungen dafür schaffen, dass diese Geburt als ein Symbol für Freiheit, Mut, Achtsamkeit und Menschlichkeit steht.

Denken wir an unsere Möglichkeiten als Menschen und Gesellschaft, deren Alltäglichkeit in Stücke gerissen wurde, sollten wir uns meines Erachtens folgende Frage stellen: Welche äußeren Strukturen unterstützen uns Menschen dabei, uns tief im Inneren bedingungslos zu lieben?

Ich selbst habe mich eben das gefragt. Meine Antwort ist diese:

Sehnsucht ist eines der Gefühle, die mir eine Richtung weisen können. Das Gefühl der Sehnsucht liegt in einem Kontinuum zwischen Wollen und Brauchen. Sie ist in aller Regel ein Symptom, ein Ausdruck eines unerfüllten grundsätzlichen Bedürfnisses. Ich kann sie auf der körperlichen Ebene spüren, z.B. als Ziehen in der Brust oder Kribbeln im Bauch. 

Bleibe ich mit meiner Aufmerksamkeit nicht bei der körperlichen Empfindung und erlaube ich ihr nicht, mich zu dem dahinter liegenden Bedürfnis zu führen, erscheinen weitere Gefühle wie Selbstmitleid oder Ärger oder Gier, die mein Verstand bewertet, sie also kritisiert oder lobt. Weil das anstrengend ist, gebe ich dem Gefühl nach oder unterdrücke ich es. Von meinem Bedürfnis entferne ich mich damit in jedem Fall noch weiter und werde dann wahrscheinlich traurig, rastlos, aggressiv oder träge.

Mit Hilfe von Yoga übe ich, mit der körperlichen Empfindung zu sein, bis ich sie urteilsfrei wahrnehmen kann. Ich schule damit mein energetisches System. Ich übe dies mit liebevoller und nachsichtiger Disziplin, weil ich die Erfahrung mache, dass meine Ängste an Kraft verlieren und ich Frieden, Ruhe und wahre innere Freiheit finde.

Der Begriff „dharma“ bezeichnet im Hinduismus zwei Aspekte, die ineinander übergehen: die kosmische und die menschliche Ordnung. Die Form der menschlichen Existenz wird durch diese zwei Aspekte, die ich folgend  „natürliche Ordnung" nenne, bestimmt.

Oft unterstellen wir Gefühle, dass sie die Beweise unserer Existenz sind. Wir geben ihnen Form, Inhalt und Gewicht. Wir verknüpfen sie mit Gedanken und erschaffen Geschichten, die wir uns und anderen erzählen, bis wir uns von ihrer Wahrheit überzeugt haben. 

Dies führt uns früher oder später in Situationen, in denen wir uns hilflos fühlen (da wir die Gefühle nicht kontrollieren können) und in denen neue, unangenehme Gefühle erscheinen, die wir uns wieder erklären, mit weiteren Gedanken und noch dramatischeren Geschichten.

Der Schlüssel zu unserer inneren Sicherheit und unserem Wohlbefinden ist jedoch nicht unser Verstand, sondern unser Körper. Mit seiner Hilfe sind wir in der Lage, die Gegenwart zu erfahren, wahrzunehmen, was jetzt gerade los ist in uns. 

Um die Sprache unseres Körpers zu verstehen, müssen wir lernen, ihm aufmerksam und liebevoll zuzuhören und seinen oft leisen und sehr feinen Signalen zu vertrauen. Wir müssen die Verantwortung für ihn übernehmen und ihm zu 100% die Führung überlassen, wenn er uns deutlich Zeichen gibt. 

Das bedeutet nicht, dass wir in unseren Komfortzonen verharren! Es bedeutet vielmehr, dass wir mutig und kraftvoll und achtsam leben. Dann werden uns ganz automatisch bewusst, wo unser Platz ist und wer zu unserem Rudel gehört. Wir erkennen dann klar und unmissverständlich die uns bestimmten Aufgaben. Diese können schwierig sein oder einfach, körperliche oder mentale Kraft, strategisches Denken oder Empathie erfordern … Aber niemals müssen wir sie suchen, sie fallen uns zu und füllen uns aus. Vielleicht führen wir Menschen, oder wir lehren, wir betreuen oder versorgen, wir bringen Schönheit oder Botschaft. Vielleicht übernehmen wir mehrere Aufgaben. 

Wenn wir uns unseres Platzes innerhalb der natürlichen Ordnung, unseres dharmas, bewusst sind und unsere Aufgaben aus tiefer Liebe für das Leben annehmen, können wir uns selbst erfahren. Das ist alles, was wir brauchen und alles, was wir wirklich wollen.

Konzerne, Politiker, Promis und Influenzer nutzen große Medienplattformen, um künstliche Sehnsüchte in uns zu erschaffen, die uns davon abhalten, das Leben, das wir sind, zu lieben. Wir müssen niemanden bewundern und es niemandem gleichtun. Wir dürfen unsere Aufgabe erfüllen und uns dabei frei und friedvoll fühlen. Wir dürfen und müssen uns abzugrenzen, um uns der Gemeinschaft zu öffnen. Wir dürfen fühlen, was wir fühlen. Auf der körperlichen Ebene gibt es keine Widersprüche. Jede Empfindung hat ihren Platz. Wir dürfen jede einzelne lieben. 

Gedanken in der Krise

Iffezheim, 26.04.2020

Denke ich über "die Krise" nach, sehe ich das Bild einer Geburt vor mir...

Ich empfinde Dank und Liebe für die, die mit viel Kraft und Mut diese Geburt mit all ihren Schmerzen, Tränen, Schreien, ihrem Schweiß und ihrer Magie ohne Betäubung und mit vollem Bewusstsein durchleben; für die, die das neue Leben mit all ihrem Willen und all ihrer Leidenschaft ins Leben führen.

Und für diejenigen, die die Bedingungen dafür schaffen, dass diese Geburt als ein Symbol für Freiheit, Mut, Achtsamkeit und Menschlichkeit steht.

Denken wir an unsere Möglichkeiten als Menschen und Gesellschaft, deren Alltäglichkeit in Stücke gerissen wurde, sollten wir uns meines Erachtens folgende Frage stellen: Welche äußeren Strukturen unterstützen uns Menschen dabei, uns tief im Inneren bedingungslos zu lieben?

Ich selbst habe mich eben das gefragt. Meine Antwort ist diese:

Sehnsucht ist eines der Gefühle, die mir eine Richtung weisen können. Das Gefühl der Sehnsucht liegt in einem Kontinuum zwischen Wollen und Brauchen. Sie ist in aller Regel ein Symptom, ein Ausdruck eines unerfüllten grundsätzlichen Bedürfnisses. Ich kann sie auf der körperlichen Ebene spüren, z.B. als Ziehen in der Brust oder Kribbeln im Bauch. 

Bleibe ich mit meiner Aufmerksamkeit nicht bei der körperlichen Empfindung und erlaube ich ihr nicht, mich zu dem dahinter liegenden Bedürfnis zu führen, erscheinen weitere Gefühle wie Selbstmitleid oder Ärger oder Gier, die mein Verstand bewertet, sie also kritisiert oder lobt. Weil das anstrengend ist, gebe ich dem Gefühl nach oder unterdrücke ich es. Von meinem Bedürfnis entferne ich mich damit in jedem Fall noch weiter und werde dann wahrscheinlich traurig, rastlos, aggressiv oder träge.

Mit Hilfe von Yoga übe ich, mit der körperlichen Empfindung zu sein, bis ich sie urteilsfrei wahrnehmen kann. Ich schule damit mein energetisches System. Ich übe dies mit liebevoller und nachsichtiger Disziplin, weil ich die Erfahrung mache, dass meine Ängste an Kraft verlieren und ich Frieden, Ruhe und wahre innere Freiheit finde.

Der Begriff „dharma“ bezeichnet im Hinduismus zwei Aspekte, die ineinander übergehen: die kosmische und die menschliche Ordnung. Die Form der menschlichen Existenz wird durch diese zwei Aspekte, die ich folgend  „natürliche Ordnung" nenne, bestimmt.

Oft unterstellen wir Gefühle, dass sie die Beweise unserer Existenz sind. Wir geben ihnen Form, Inhalt und Gewicht. Wir verknüpfen sie mit Gedanken und erschaffen Geschichten, die wir uns und anderen erzählen, bis wir uns von ihrer Wahrheit überzeugt haben. 

Dies führt uns früher oder später in Situationen, in denen wir uns hilflos fühlen (da wir die Gefühle nicht kontrollieren können) und in denen neue, unangenehme Gefühle erscheinen, die wir uns wieder erklären, mit weiteren Gedanken und noch dramatischeren Geschichten.

Der Schlüssel zu unserer inneren Sicherheit und unserem Wohlbefinden ist jedoch nicht unser Verstand, sondern unser Körper. Mit seiner Hilfe sind wir in der Lage, die Gegenwart zu erfahren, wahrzunehmen, was jetzt gerade los ist in uns. 

Um die Sprache unseres Körpers zu verstehen, müssen wir lernen, ihm aufmerksam und liebevoll zuzuhören und seinen oft leisen und sehr feinen Signalen zu vertrauen. Wir müssen die Verantwortung für ihn übernehmen und ihm zu 100% die Führung überlassen, wenn er uns deutlich Zeichen gibt. 

Das bedeutet nicht, dass wir in unseren Komfortzonen verharren! Es bedeutet vielmehr, dass wir mutig und kraftvoll und achtsam leben. Dann werden uns ganz automatisch bewusst, wo unser Platz ist und wer zu unserem Rudel gehört. Wir erkennen dann klar und unmissverständlich die uns bestimmten Aufgaben. Diese können schwierig sein oder einfach, körperliche oder mentale Kraft, strategisches Denken oder Empathie erfordern … Aber niemals müssen wir sie suchen, sie fallen uns zu und füllen uns aus. Vielleicht führen wir Menschen, oder wir lehren, wir betreuen oder versorgen, wir bringen Schönheit oder Botschaft. Vielleicht übernehmen wir mehrere Aufgaben. 

Wenn wir uns unseres Platzes innerhalb der natürlichen Ordnung, unseres dharmas, bewusst sind und unsere Aufgaben aus tiefer Liebe für das Leben annehmen, können wir uns selbst erfahren. Das ist alles, was wir brauchen und alles, was wir wirklich wollen.

Konzerne, Politiker, Promis und Influenzer nutzen große Medienplattformen, um künstliche Sehnsüchte in uns zu erschaffen, die uns davon abhalten, das Leben, das wir sind, zu lieben. Wir müssen niemanden bewundern und es niemandem gleichtun. Wir dürfen unsere Aufgabe erfüllen und uns dabei frei und friedvoll fühlen. Wir dürfen und müssen uns abzugrenzen, um uns der Gemeinschaft zu öffnen. Wir dürfen fühlen, was wir fühlen. Auf der körperlichen Ebene gibt es keine Widersprüche. Jede Empfindung hat ihren Platz. Wir dürfen jede einzelne lieben. 

Krisen-Poesie: Träume und Ratten

Iffezheim, 22.08.2020

Die Nacht hüllt scharfe Schatten
 in dunkle Müdigkeit. 
 Im Dunklen sitzen Träume und Ratten, 
 der Tod kommt zu seiner Zeit. 

Am Himmel stehen Sterne, 
 ich blicke still hinauf. 
 Während ich zu leben lerne, 
 nimmt das Leben seinen Lauf. 

Es weht ein sanfter, kühler Wind,
 Gefühle wie Honig, golden und zäh. 
 Es ist wie es ist, wir sind, wie wir sind,
 Nichts ist immer gut, nichts tut immer weh. 

Meinen Geist lass ich träge treiben,
 zwischen Wirklichkeit und Traum. 
 Ich stell mir vor, für immer zu bleiben. 
 Für immer im grenzenlosen Raum.

Mit engen Grenzen ist es nicht leicht,
 in diesem komplexen Spiel.
 Denn weil kein Mensch dem andern gleicht,
 hat jeder ein anderes ein Ziel.


Grenzen sind es, die uns trennen,
 uns spalten und polarisieren.
 Doch wir können die Grenzen erkennen
 und Freiheit manifestieren.

Wir haben Geist und Körper und Herz,
 wir haben Glauben, wir haben Kraft. 
 Wir wachsen immer mit grossem Schmerz, 
 weil er uns lebendig macht.

Es ist, wie es ist, wir sind, wie wir sind,
 wir können, wir dürfen, wir sollen. 
 Was uns reifen lässt vom Kind,
 ist, was wir wirklich wollen.